Webbewegung - Alles,was das Web ausmacht erfahren Sie hier direkt von den webraumfahrern.com

Eintrag-Details: Papst und Amokläufer - super

27.05.06

Permalink 22:19:34, von agent Email , 492 Wörter, 1043 Ansichten   German (DE)
Kategorien: On Tour, Berlin

Papst und Amokläufer - super

Gerade verweile ich eine Woche bei meiner Oma in Polen, sehe den Papst den ganzen Tach im Fernsehen rumhuschen, Polnisch ablesen vor den ganzen strenggläubigen Katholiken (zu Hause lese ich den da Vinci Code - gefährliche Sache) und nun klickte ich mich auf die Spiegel-Online und sehe, dass es einen Amoklauf in Berlin gab. Mein Gott!

[Mehr:]

Im Zug auf der Herfahrt erfuhr ich, dass immens viele Kanadier dick sind, in Brasilien sind Unmengen von Menschen in Favelas und die Gefängnisse sind tickende Bomben, die sich JEGLICHER Kontrolle des Staats entzogen haben und in Deutschland passiert es hin und wieder, dass jemand Amok läuft.

Wann wachen wir auf und fangen an persönlich zu reden, meine Lieben? Immer mehr Leute chatten, finden sich im Internetforen (Kannibale und sein lebendes Fleisch), betrachten ihre Nachbarn als Feind (siehe Fernsehshows und Gerichtsprozesse wegen bellender Hunde), fressen Wut und Kummer in sich hinein, immer mehr Menschen haben ihren privaten Psychotherapeuten, weil sie es nicht mehr schaffen, ihre Probleme selbst zu lösen: durch Sprechen.

Wie lange soll das denn nun noch so gehen? Selbst meine Familie ist ein wunderbares Vorzeigebeispiel dafür, wie man sich gut verkracht. Als würden sie alle 300 Jahre leben und hätten deshalb 50 Jahre Zeit, um nicht miteinander zu reden. Denkt niemand an den Moment (möglicherweise auf dem Sterbebett oder auch früher), an dem er etwas BEREUT?
Ach, ihr macht mir Sorgen! Das ist vielleicht mein Fazit aus Brasilien.

Da habe ich gesehen was Existenzprobleme sind, was wirkliches Unglück ist und nun komme ich zurück und werde mit Problemen konfrontiert, die unsere Zivilisation hervorgebracht hat. Unsere wunderbare dicke modern ausgestattete Zivilisation. Zu streng? Ich befürchte wir haben das "memento mori" ganz schön aus dem Blickfeld gedrängt - Gedenke des Todes.

Tod? Was ist Tod? Wir wollen ihm so fern sein, ihm nicht in die schwarze Kutte sehen, aber er kommt ja doch: wenn alle dick sind und frustriert, muss da nicht irgendwas umschwingen, damit es wieder von vorn beginnen kann? Müssen die Gefängnisse in Brasilien nicht aufplatzen, damit man wieder von Neuem anfangen und Konsequenzen bedenken kann. Ich bin so enttäuscht von manch dahergesprochener Professionalität und kann kein Denken an Konsequenzen entdecken.

Meine Guten, ich will nicht den Teufel an die Wand malen - ich denke, er ist schon aus der Wand rausgekrochen, ich will nur sagen: Konsequenzen.

Alles hat Konsequenzen. Und die treffen ja doch uns und nicht einen anderen Planeten. Man kann ja schon im kleinen beginnen: ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für die eigenen Kinder, ein bisschen mehr Zaunplausch mit dem Nachbarn, ein bisschen mehr offenes Auge für eigene Probleme, ein bisschen mehr Mut, Courage, ein bisschen weniger Stolz und mehr, sehr viel mehr "momento mori" fürs eigene Leben und seine schnell eintretende Endlichkeit... ist doch so!

Ich werd 26 und erinnere mich an meinen 10 Geburtstag seeehr genau! Menscheskindernee, sachte meen Opa in Berlin imma.

Agent

Trackback Adresse für diesen Eintrag:

http://www.webbewegung.de/htsrv/trackback.php/159

Kommentare, Trackbacks, Pingbacks:

Kommentar von: dietmar [Besucher] · http://www.brasilblog.de
Korrekt, habe dies direkt mit einem kleinen Vorwort in meinem Blog übernommen. Ich bin froh, dass ich nicht in die "Zivilisation" zurück muss ...

LG aus Toledo, Paraná, Dietmar
PermalinkPermalink 28.05.06 @ 02:06
Kommentar von: parkinn [Besucher]
Aber in Brasilien gibt es keine funktionierenden Familien in der Mittelschicht mehr... wären wir doch alle arm.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,417876,00.html
PermalinkPermalink 30.05.06 @ 15:52
Kommentar von: Agent selbst [Besucher]
Hm, ich habe den Spiegelartikel angelesen. Wahrscheinlich ist das wieder so schwierig zu beleuchten wie andere sachen auch. "Alles ist relativ" stimmt zwar, aber hilft nicht. Also gut, ich teile nur mit, was ich kennenlernte: viele Familien in dem Armenviertel. Sie funktionieren als Struktur schon. Müssen sie, denn die einzelnen Mitglieder sind aufeinander angewiesen. Was familienintern passiert, ist aber genauso schwierig wie bei uns auch, oder nicht? Wie viele Menschen haben denn Affairen außerhalb der Ehe? Wie viele heiraten, lassen sich scheiden, trennen sich auf Zeit? Wie viele Familien sind kaputt, aber immer noch als Bild nach außen? Es ist eben alles teuer und menschliche Wesen haben immer noch nicht verstanden, dass man nur einmal lebt. Dass man, wenn man unglücklich ist, sich selbst aus dem Unglück herausmanövrieren muss. Ich denke, das ist bei uns in dieser Altersgruppe nicht besser, oder?
PermalinkPermalink 31.05.06 @ 13:25

Hinterlasse einen Kommentar:

Deine E-Mail Adresse wird nicht angezeigt.
Deine URL wird angezeigt.

Erlaubte XHTML Tags: <p, ul, ol, li, dl, dt, dd, address, blockquote, ins, del, span, bdo, br, em, strong, dfn, code, samp, kdb, var, cite, abbr, acronym, q, sub, sup, tt, i, b, big, small>
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Setze Cookies für Name, E-Mail und URL)
(Erlaube Benutzern, Dich über ein Nachrichten-Formular zu kontaktieren (Deine E-Mail Adresse wird NICHT angezeigt).)

WebBewegung - Blog von Webraumfahrer

Hier finden sich die Geschichten der Webraumfahrer und alles was Webdesign-Interessierte und Online-Marketing-Maniacs fasziniert.

Suche

Sonstiges

Wer ist online?

  • Gäste: 5

Listed on BlogShares

powered by
b2evolution