Mir fällt auf: das Wohnen im Armenviertel drückt etwas aufs Gemüt. Mir fehlt Natur. Ich hätte das nie gedacht, aber es ist wahr. Also bin ich mit der franco-brasilianischen Voluntarierin 3 Tage weggefahren ins GRÜÜNE!
In den Regenwald, auf einen Campingplatz am Rande eines (sauberen) Flusses [Anmerkung: Tietê ist der Fluss in Sao Paulo, der den Namen "Fluss" wie "fließen" gar nicht mehr verdient, leider. Es gibt einen interessanten Artikel (irgendwo, muss ich suchen) über die Paulistaner (Bewohner Sao Paulos) und deren verlorenen Fluss. In der Tat. Ich weiß nicht, wie sie das wieder gerade biegen wollen, was sie da angerichtet haben. Es ist eine Katastrophe. Und diese Katastrophe stinkt ganz schrecklich, wenn man mit dem Bus drüberfährt.], in himmlischer Natur mit frischer Luft in einer kleinen (sehr ordentlichen) Kleinstadt namens "Brotas".
Dorthin fahren angeblich alle Brasilianer, die scharf sind auf Wassersport im Fluss. Also wären da Rafting, Boya Cross, ehm... und andere Sachen, deren exotische, englische Namen ich vergessen habe. Wir haben Rafting gemacht. War ganz cool, aber, aber, aber... ich stelle etwas sehr Eigenartiges fest: ich brauche einen Adrenalinstoß. Es ist zu organisiert, zu touristisch, zu künstlich. Mich lechzt nach wilder Natur und Überlebenskampf. Ich weiß auch nicht, was das soll.
Ich dachte mit zunehmendem Alter (ich werde im Juli 26!) wird das weniger, statt mehr! Ich muss unbedingt in den Amazonas reisen und an Argentinien und Paraguay und Uruguay vorbeistreifen. Wenn ich das nicht tue, wird mein Herz schon wieder bluten, wenn ich nach Deutschland zurückkomme. Und das geht nicht!
Die Reisebusse in Südamerika generell sind super. Es ist alles sehr bequem zu erreichen und es ist hier überhaupt nicht üblich, mit einem Zug zu fahren. Ich habe noch keinen Zug hier gesehen. Es gibt auch keine Straßenbahn in Sao Paulo. Nur Metro. Entweder sie haben diese Metro von den Russen importiert oder kopiert. Sieht genauso aus wie die Metro in Warschau und die ist ganz sicher von den Russen. Hmm, okay. Also das ist hier nicht so, meine Lieben. Hier ist nicht alles so komisch 5 cm breiter oder höher wie in den USA. Da kam mir immer alles einen TICK größer vor. Hier ist es ganz normalwie in Europa. Mit den Bussen in der Stadt, den Autos (dominierend: VW, Fiat, Citroen, ... wenig asiatische), den Möbeln, den Läden... naja, die Reisebusse sind innen sehr groß, die Einkaufszentren sind wahnsinnig und die Straßen sind manchmal recht breit. Ansonsten fühlt man sich als Europäer nicht sehr komisch. Eher heimisch. Wenn man sich in der Zivilistion befindet. Außerhalb ist dieser typische braunrote, drittewelt Lehm zu sehen und eine unendliche Weite von Natur. Natur pur. Ohne Ende.
Und in dem kleinen Städtchen war diese typische südamerikanische Hausarchitektur zu sehen. Die Häuser der betuchten Bewohner sind hübsch: einetagig, manchmal zweietagig, leicht und winddurchlässig, bunt, mit einem Garten am hinteren Teil des Hauses... ich mag diesen Stil und überlege, ob es nicht schön wäre, ein Haus hier zu haben. Brasilien ist schon sehr zivilisiert. Ich denke, von den Ländern hier in Südamerika mitunter das am höchsten zivilisierte. Daher möchte ich die anderen Länder mal streifen. Ich brauche den Anblick vom Kampf gegen die Natur, gegen die Zeit, gegen die Umstände (beispielsweise sagte mir jemand, in Paraguay gäbe es Löcher im Busboden - das ist Abenteuer, oder nicht?). Also, das muss ich genau als Schlachtplan vorbereiten bevor ich nach Deutschland zurückkehre. Man schätzt die Dinge der Zivilisation mehr und bekommt nicht gleich einen Herzanfall, wenn mal irgendeine Gerätschaft (Auto) nicht funktioniert oder wehedem eine Beule hat... Wozu sich aufregen? Ist doch bloß'n Auto!
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